PVT-Module erklärt: Funktion, Nutzen und Wirtschaftlichkeit
PVT-Module kombinieren Strom- und Wärmeerzeugung auf derselben Fläche und steigern so die Energieausbeute pro Quadratmeter. Laut dem IEA Solar Heating & Cooling Programme liefert ein PVT-System pro Fläche drei- bis viermal mehr nutzbare Gesamtenergie als reine Photovoltaik.
Das klingt zunächst mal nach einem Nobrainer. Dennoch möchte ich in diesem Artikel der Frage nachgehen, ob sich diese „Doppelnutzung“ tatsächlich lohnt – oder ob sie vor allem ein technisches Versprechen bleibt. Noch ist PVT eine Nischentechnologie: Hohe Kosten, fehlende Normen und geringe Praxiserfahrung bremsen die Verbreitung.
Dieser Beitrag hilft, die Technologie für den Einsatz in Wohngebäuden realistisch einzuordnen – technisch, wirtschaftlich und praktisch. Er basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Publikationen und meiner Erfahrung als Energieberater. Ergänzend haben wir eine Marktabfrage zu Anschaffungskosten und bisherigen Erfahrungswerten durchgeführt.
Was ist ein PVT-Modul?
Ein PVT-Modul ist ein hybrider (gemischt genutzter) Solarkollektor, der Photovoltaik (PV) und Solarthermie (T) in einem Gehäuse kombiniert. Es erzeugt also Solarstrom und gleichzeitig.
Wie funktioniert PVT?
PVT funktioniert, indem auf der Rückseite des PV-Moduls ein thermischer Kollektor angebracht ist. Während die Solarzellen Strom erzeugen, nimmt der Kollektor die Sonnenwärme auf und führt sie einem Wärmekreislauf zu. Die aus der Sonne und Außenluft aufgenommene Wärme wird typischerweise einer Heizungswärmepumpe zugeführt.
Welche Bauarten gibt es?
Die Photovoltaik-Oberseite der PVT-Module entspricht immer einem klassischen PV-Modul. Unterschiede gibt es nur in den Bauarten der thermischen Kollektoren, der sich auf der Unterseite befinden.
-
Ungedeckter PVT-Kollektor (Bild: Triple Solar) Ungedeckte PVT-Kollektoren: Unter dem PV-Modul ist ein Flüssigkeitsabsorber ohne zusätzliche Abdeckung oder Dämmung angebracht. Ein Flüssigkeitsabsorber ist ein Rohrsystem, durch das ein Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel fließt und dabei Wärme aufnimmt – ähnlich wie bei einem Gartenschlauch, der in der Sonne warm wird. Unabgedeckten Kollektoren werden i. d R. mit Wärmepumpen kombiniert. Wärmepumpen lassen sich gut mit den eher niedrigen Quelltemperaturen betreiben, die in unabgedeckten PVT-Kollektoren erreicht werden.
-
Gedeckter PVT-Kollektor (Bild: Triple Solar) Gedeckte PVT-Kollektoren: Diese Bauart ähnelt einem klassischen Solarthermie-Flachkollektor. Über den PV-Zellen befindet sich eine zusätzliche Glasscheibe, die zusammen mit einer Luftschicht den Wärmeverlust reduziert. Unterhalb der PV-Zellen liegt ein von Flüssigkeit durchströmter Absorber, der die Wärme aufnimmt. Durch die Abdeckung und eine Wärmedämmung auf der Rückseite erreichen gedeckte Kollektoren höhere nutzbare Temperaturen und können daher wie klassische Solarthermiekollektoren direkt für die Warmwasserbereitung genutzt werden.
-
PVT-Luftkollektor PVT-Luftkollektoren: Hier dient Luft als Wärmeträger, die auf der Rückseite des PV-Moduls durch einen Luftkanal strömt und sich dabei erwärmt. Die gewonnene Wärme kann zur Zuluftvorwärmung, Trocknung oder als Wärmequelle für eine Wärmepumpe eingesetzt werden.
Mit Abstand am weitesten verbreitet sind in Deutschland PVT-Kollektoren mit ungedeckter Solarthermie. Sie stellen rund 95 % der installierten Fläche dar [AEE INTEC, 2025]. Deutlich seltener eingesetzt werden gedeckte PVT-Kollektoren (4,5 %). Luftkollektoren (0,28 %) sind dagegen kaum verbreitet und spielen in Wohnhäusern keine Rolle.
International zeigt sich ein ähnliches Bild: In den meisten Ländern dominieren ebenfalls die ungedeckten Systeme. Eine Ausnahme bildet Frankreich – dort werden überwiegend PVT-Systeme mit Luftkollektoren installiert.
Welche Vorteile hat PVT gegenüber Photovoltaik oder Solarthermie?
Der Vorteil von PVT-Modulen liegt in der doppelten Nutzung: Sie erzeugen gleichzeitig Strom und Wärme auf derselben Fläche. So lässt sich eine begrenzte Dachfläche doppelt nutzen und der Energieertrag nennenswert steigern.
Durch die Abkühlung des PV-Moduls steigt zudem der Wirkungsgrad bei der Stromproduktion. Hersteller nennen dafür Mehrerträge von fünf bis 20 Prozent., In einem persönlichen Fachgespräch ordnet ein PVT-Hersteller die teils genannten Mehrerträge von bis zu 20 Prozent als kurzfristige Tagesspitzen ein. Für das Jahresmittel nennt der Hersteller realistische Mehrerträge von rund 5 Prozent. Diese Differenz ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeitsbewertung, da Jahreserträge – nicht Tagesspitzen – die Amortisation einer PVT-Anlage bestimmen.
Werden PVT-Kollektoren mit einer im Haus aufgestellten Sole/Wasser-Wärmepumpe kombiniert, entsteht ein lautloses System – ganz ohne Geräusche eines Wärmepumpen-Außengerätes.
Kann man eine Wärmepumpe mit PVT-Modulen betreiben?
Ja, Wärmepumpen lassen sich mit PVT-Modulen kombinieren. Die Kombination aus PVT-Technik und Wärmepumpe ist mittlerweile sogar die überwiegende Nutzung – technisch funktioniert das Konzept, wirtschaftlich ist es jedoch noch umstritten.

PVT-Module werden teils als Ersatz für Erdsonden oder Außenluftwärmetauscher beworben. Die in den PVT-Modulen erwärmte Flüssigkeit kann als solare Umweltwärme in eine Sole/Wasser-Wärmepumpe eingespeist werden. Durch die bei solarer Einstrahlung höhere Wärmequellentemperatur arbeitet die Wärmepumpe im Vergleich zu Luft-Wasser-Wärmepumpen effizienter und erzeugt mehr Wärme pro eingesetzter Stromeinheit. Das Ausmaß dieser Effizienzsteigerung wurde bislang nur für einzelne Systeme untersucht, Feldstudien fehlen allerdings noch.
PVT-Module können zwar Erdsonden oder Außengeräte zur Nutzung der Umweltwärme einer Wärmepumpe ersetzen. Für eine wirtschaftliche Bewertung ist allerdings entscheidend, ob diese Effizienzsteigerung gegenüber Luft-Wasser-Wärmepumpen die zusätzlichen Kosten gegenüber konventioneller Außenluft-Wärmetauscher rechtfertigt. Genau hier zeigt sich das Dilemma vieler innovativer Heizkonzepte: Die Idee ist überzeugend, jedoch fehlt noch eine belastbare Datengrundlage.
Ist PVT eine Alternative zu Erdsonden?
PVT-Module können Erdsonden technisch ersetzen, sind aber nur bedingt gleichwertig – vor allem im Winter sinkt deren Wärmeleistung deutlich. Im Kostenvergleich sind PVT-Module mit Erdsonden aber mindestens vergleichbar, häufig wahrscheinlich sogar im Vorteil.
Wenn der Bau eines Erdreich-Wärmetauschers nicht möglich ist, können PVT-Module als alternative Wärmequelle dienen.

Laut mehreren Anbietern sollen PVT-Module Erdreich-Wärmetauscher vollständig ersetzen können. Nach meiner fachlichen Einschätzung ist dies bislang jedoch nicht immer zweifelsfrei belegt: Die verfügbare Datenlage reicht hier noch nicht aus. Bisher kann man nur feststellen, dass PVT Module in milderen Regionen, mit Normaußentemperaturen bis -10°C offenbar gut funktionieren.
Ist PVT mit Wärmepumpe sinnvoll, um Außengeräte zu ersetzen?
Durch PVT-Module lässt sich das Außengerät einer Luft-Wasser-Wärmepumpe ersetzen. Anstatt der Luft-Wasser-Wärmepumpe wird eine Sole/Wasser-Wärmepumpe von der PVT-Anlage mit Wärme versorgt. Die Wärmepumpe benötigt bei solarer Einstrahlung weniger Strom, arbeitetalso an sonnigen Tagen effizienter als ein Außenluftwärmetauscher und ist zusätzlich vollkommen geräuschlos.
Wirtschaftlich sinnvoll wäre die Kombination aus PVT und einer Sole/Wasser-Wärmepumpe, wenn die Stromeinsparung beim Betrieb der Wärmepumpe zusammen mit dem Photovoltaikertrag die Mehrkosten des PVT-Systems ausgleicht.
Wie sinnvoll sind PVT-Module als Wärmequelle für Wärmepumpen?
PVT-Module eignen sich als Wärmequelle für Wärmepumpen – ihre Vorteile zeigen sich vor allem im Sommer und bei milden Temperaturen.
Erdreich-Wärmetauscher liefern dagegen auch in den Wintermonaten vergleichsweise hohe und gleichmäßige Quellentemperaturen. Im Unterschied dazu liegt die Temperatur an PVT-Modulen an sonnenarmen Tagen meist im Bereich der Außenluft. In sonnenarmen Phasen mit Temperaturen unter null Grad Celsius ergibt sich daher meines Erachtens gegenüber einer Luft-Wasser-Wärmepumpe kein nennenswerter Effizienzvorteil.
An sonnigen Tagen und in den Sommermonaten wird die Dachoberfläche deutlich wärmer als die Umgebungsluft. In der warmen Jahreszeit haben daher PVT-Module Vorteile gegenüber den Erdreich- und Luftwärmetauschern. Sie eignen sich insbesondere für Anwendungen mit erhöhtem Wärmebedarf im Sommer, etwa zur Warmwasserbereitung oder Prozesswärme.

Für klassische Wohngebäude ist dies aber kein typischer Anwendungsfall. Aufgrund der hohen Systemkomplexität lässt sich der Einsatz von PVT-Modulen in Kombination mit Wärmepumpen zur Wärmeerzeugung im Wohnbereich momentan daher lediglich in milderen Klimaregionen, mit Normaußentemperaturen bis maximal -10°C empfehlen.
Bewertung der PVT-Technologie und aktuelle Erfahrungen
Unabhängige Praxiserfahrungen mit PVT-Systemen sind bisher selten, weil die Technologie noch kaum verbreitet ist. Deshalb lassen sich die Effizienz, die Haltbarkeit und der Wartungsaufwand der Technologie nur schwer bewerten.
Welche Erfahrungen gibt es bisher mit PVT-Systemen?
Die verfügbaren Informationen stammen überwiegend von Herstellern oder Projekten wie ‚integraTE‘. Dieses Projekt soll die Markteinführung der Technologie unterstützen. In Foren finden sich weniger als fünf Erfahrungsberichte.
Ich habe zahlreiche PVT-Betreiber kontaktiert, trotz Unterstützung durch Forschende und Hersteller aber nur zwei persönliche Gespräche führen können. Ein Hersteller bestand darauf, mir ein neues System zu präsentieren. Aussagekräftig sind nach meiner Ansicht nur Anlagen die bereits mehrere Jahre betrieben wurden, da technische Schwächen meist erst nach einer gewissen Betriebsdauer sichtbar werden. Daher habe ich mir zwei Anlagen genauer unter die Lupe genommen, die bereits seit mehr als fünf Jahren in Betrieb sind. Eine der beiden Anlagen ist auch in meinem YouTube-Video zu PVT zu sehen (momentan noch nicht veröffentlicht).
Praxisbericht: PVT-Anlage mit Wärmepumpe im Zweifamilienhaus bei Ulm
Sehr gefreut habe ich mich, dass Markus Schmidt seine Erfahrungen mit uns geteilt hat. Im Zuge der energetischen Modernisierung eines 1972 in der Nähe von Ulm errichteten Zweifamilienhauses ließ er im Jahr 2018 eine PVT-Anlage mit Wärmepumpe installieren. Schmidt ist Geschäftsführer des PVT-Herstellers EVO Deutschland GmbH. Sein System wurde wissenschaftlich durch das Fraunhofer ISE vermessen.

Technische Daten der Anlage:
- PVT-Module: 52 EVO TEHA-4 Module (88 m²)
– elektrische Leistung: 15,6 kWp
– thermische Leistung: 56,3 kWp - Wärmepumpe: Viessmann Vitocal 300-G (13 kW thermische Leistung)
- Beheizte Fläche: 411 m² + Pool
- Jährlicher Wärme-Endenergiebedarf: 36 kWh/(m²a) (KfW70 Haus)
Erfahrungen im Betrieb:
- Eine Gastherme ist als Backup vorhanden, wird jedoch nicht genutzt.
- Die Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe lag in den letzten vier Jahren zwischen 3,72 und 3,88. Das ist ein guter, solider Wert.
- Auf dem Flachdach befinden sich zusätzlich PV-Module mit etwa der gleichen elektrischen Leistung; die PVT-Anlage erzeugt rund 3 % mehr Strom.
- Einmal trat eine Schlauchleckage auf – vermutlich durch einen Montagefehler. Sie fiel auf, weil das im Keller angebrachte Manometer einen geringen Druck anzeigte.
- Bei anhaltendem Frost kam es zu Vereisungen, die jedoch keine Beeinträchtigung oder weitere Schäden verursachten.
- Von einem gegenüber der Photovoltaik höheren Wartungsaufwand konnte Schmidt nicht berichten.
Trotz der unternehmensnahen Perspektive liefert das Beispiel wertvolle technische Einblicke. Es zeigt, dass kombinierte PVT-Systeme mit Wärmepumpe auch im Gebäudebestand zuverlässig und effizient arbeiten können – insbesondere, wenn sie fachgerecht geplant und installiert werden.
Praxisbericht: PVT-Anlage mit Wärmepumpe in einem Einfamilienhaus in Alkmaar (NL)
Eine weitere wertvolle Erfahrung war mein Besuch in Alkmaar bei Gijs van Wijkin. Gijs hat seine Anlage der Firma Triple Solar im Jahr 2017 eingebaut. Die Gründe, sich für eine Anlage der Fa. Triple Solar zu entscheiden, war für Gijs eher zufällig. Er selbst war und ist im Bereich Energieberatung tätig und kannte Triple Solar durch seine Arbeit. Außerdem ist die Unternehmenszentrale von Triple Solar in unweit von ihm zu Hause beheimatet.

Damals war es eine der ersten Anlagen der bis heute aktuellen Anlagen Generation. Diese Generation wurde speziell für den Betrieb in Verbindung mit Heizungswärmepumpe, also für die Wintersituation konzipiert.
Die Anlage wurde damals noch mit einer Nibe Wärmepumpe geliefert. Diese war noch nicht optimal auf das Gesamtsystem abgestimmt. Auch waren die Einflussmöglichkeiten der Optimierung durch die Verwendung einer Wärmepumpe eines Fremdherstellers noch begrenzt.
Trotz des Pioniercharakters der Anlage würde sich Gijs heute wieder für eine PVT-Anlage entscheiden. Nach seiner Einschätzung und seinen Erfahrungen ist PVT eine sichere Technik ohne nennenswerten Wartungsaufwand. Bis heute lief die Anlage praktisch störungsfrei.
Zusätzlich zu der Anlage von Gijs konnte ich noch eine neuere Anlage besichtigen, die bereits mit einer der von Triple Solar selbst konzipierten Wärmepumpen betrieben wird.
Die Verbreitung von PVT-Modulen ist gering
Der Seltenheitswert der Erfahrungsberichte erklärt sich durch die geringe Verbreitung:
Anfang 2024 waren laut dem Umweltbundesamt in Deutschland rund 256,5 Mio. m² Dachfläche mit PV-Modulen belegt, während PVT-Module nur 184.869 Quadratmeter ausmachten – weniger als ein Prozent [AEE INTEC, 2025]. Das verdeutlicht, dass PVT bislang nur eine Nischenrolle im Markt spielt.
Immerhin verzeichnete Deutschland 2024 den weltweit größten Zubau an PVT-Systemen: 11,4 MW (thermisch) laut Internationaler Energieagentur – wenn die erhobenen Zahlen zutreffen. Ein Hersteller berichtet zudem, dass das Interesse insbesondere im Bereich Mehrfamilienhäuser steigt.
Insgesamt zeigt sich: Die Technologie steckt trotz wachsender Aufmerksamkeit noch in einer frühen Markteinführungsphase.
Vorteile- und Nachteile von PVT-Modulen
PVT-Module kombinieren Strom- und Wärmeerzeugung auf derselben Fläche und steigern die Flächeneffizienz, sind aber technisch komplex und noch kostenintensiv.
Insbesondere bei Reihenhäusern kommen die Vorteile von PVT-Kollektoren zum tragen. Dort ist die Dachfläche knapp, und oft fehlt Platz für ein Außengerät einer Wärmepumpe.
Vorteile
- Doppelter Nutzen: Erzeugen gleichzeitig Wärme und Strom auf derselben Fläche.
- Hohe Flächeneffizienz: Gesamtwirkungsgrad pro m² liegt deutlich über dem von Photovoltaik- oder Solarthermieanlagen.
- Höherer PV-Ertrag: Die Kühlung der Solarzellen steigert die elektrische Leistung, insbesondere im Sommer.
- Klimavorteil bei großem System: Ausreichend große PVT-Anlagen können klimafreundlicher sein als die Kombination aus Photovoltaik und Luft-Wärmepumpe, da weniger Strombedarf für die Wärmeerzeugung anfällt.
Nachteile
- Hohe Investitionskosten: Anschaffung teurer als reine Photovoltaik- oder Solarthermieanlagen.
- Komplexe Planung und Wartung: Installation und Systemintegration sind aufwändiger.
- Technischer Zielkonflikt: Module lassen sich nur auf Wärme, Strom oder einen Kompromiss optimieren.
- Begrenzte Markt- und Fachkompetenz: Noch gibt es wenige Planer und Installateure mit praktischer PVT-Erfahrung.
Gibt es unabhängige Tests zu PVT-Kollektoren?
Noch existieren keine unabhängigen Tests, die einen direkten Vergleich von PVT-Kollektoren ermöglichen. Stattdessen liegen für einzelne Systeme Messdaten aus dem Realbetrieb vor, die wissenschaftlich ausgewertet werden, ergänzt durch Simulationen und Laboruntersuchungen.
Eine verbindliche Prüfnorm speziell für PVT-Kollektoren steht bislang aus, was die praktische Vergleichbarkeit von Herstellerangaben erheblich erschwert. Eine systematische Literaturübersicht zum Wohngebäudesektor weist zudem darauf hin, dass es bislang zu wenig experimentelle Studien mit ausreichend langen Laufzeiten gibt [University of Portsmouth – PVT Review, 2021].
PVT-Anlage: Anschaffungskosten im Vergleich zu Photovoltaik
PVT-Module kosten momentan etwa vier- bis fünfmal so viel wie Photovoltaikmodule, erzeugen jedoch zusätzlich zur elektrischen Energie noch das Drei- bis Vierfache an Wärme. Ohne Förderung gelten sie als wirtschaftlich wenig attraktiv. In Deutschland werden sie 2025 als Teil eines Wärmepumpensystems über die Bundesförderung für effiziente Gebäude gefördert. Da die BEG-Förderung gedeckelt ist, kann nur ein Teil der gegenüber der Wärmepumpe zusätzlich anfallenden Anschaffungskosten für das PVT-System gefördert werden.
Ein direkter Kostenvergleich mit Photovoltaik allein greift zu kurz, weil der Wärmeertrag unberücksichtigt bleibt. Ein fairer Vergleich wäre die Gegenüberstellung von PVT mit einer Kombination aus Photovoltaik und Solarthermie mit gleicher Gesamtenergie – ein System, das in der Praxis jedoch selten realisiert wird. Relevanter sind daher Vergleiche zwischen PVT-Anlagen und Photovoltaikanlagen, die jeweils mit Wärmepumpen kombiniert werden.
Wie teuer sind PVT-Module im Vergleich zu PV-Modulen?
Laut einer Kostenerhebung des Projekts integraTE XL kosten unabgedeckte PVT-Kollektoren mit einfachem – für Wärmepumpen geeigneten – Absorber durchschnittlich 386 € netto pro Quadratmeter. Modelle mit großflächigem Umgebungsluft-Wärmeübertrager liegen rund 100 € höher. Zum Vergleich: Photovoltaikmodule kosten für Endkunden momentan 80 – 106 € / m² [Eigene Umrechnung nach co2online, Stand 02/2024].
Damit sind PVT-Module je nach Ausführung rund vier- bis fünfmal teurer als PV-Module, liefern jedoch zusätzlich nutzbare Wärmeenergie.
Für eine vollständige PVT-Anlage werden neben den Modulen folgende Komponenten benötigt:
- Unterkonstruktion
- Wechselrichter & elektrisches Zubehör (BoS)
- Hydraulik (Leitungen/Armaturen/Pumpen/Wärmetauscher)
- Pufferspeicher, wenn noch nicht vorhanden
- Arbeitszeit
Für die Auslegung einer PVT-Anlage kann als Richtwert mit 3,0 m² Modulfläche pro kW Heizleistung gerechnet werden – in kälteren Regionen wie den Alpen oder dem Erzgebirge sind es etwa 4,0 m² pro kW. Die benötigte Modulfläche ergibt sich damit direkt aus der geforderten Heizleistung.
Was kostet eine PVT-Anlage in Deutschland?
In einer eigenen Marktabfrage bei mehreren PVT-Anbietern nannten die meisten keine Pauschalpreise und verwiesen auf die individuelle Planung. Solche Antworten höre ich bei Gebäudethemen häufig, wenn sich Hersteller unwohl fühlen, eine Zahl zu nennen. Mein Eindruck: Die „Individualität der Gebäude“ dient oft als bequeme Erklärung. Ein Anbieter nannte immerhin einen groben Komplettpreis für Module, Tragesystem Speicher und Wärmepumpe einschließlich Montage.
Eine PVT-Anlage mit Wärmepumpe kostet für ein typisches Einfamilienhaus demnach in Deutschland derzeit rund 45.000 (kleines Reihenhaus) bis 65.000 Euro.
Zum Vergleich: Eine PV-Anlage mit Luft-Wasser-Wärmepumpe kann bereits ab etwa 37.000 Euro angeschafft werden. Davon kostet eine 8 bis 10 kWp-Photovoltaikanlage ohne Batteriespeicher im Mittel rund 17.000 Euro (Verbraucherzentrale, Stand: Mai 2025). Die Luft-Wasser-Wärmepumpe kostet ohne Förderung rund 35.000 Euro (Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, Stand: Mai 2025). Damit liegt die Kombination aus PV und Luft-Wasser-Wärmepumpe zumindest in der gleichen Größenordnung wie eine PVT-Anlage mit Wärmepumpe.
Die vorhandenen Zahlen deuten darauf hin, dass die PVT-Technik zumindest dann eine wirtschaftliche Option sein kann, wenn man auf der Suche nach einem Gesamtkonzept für PV und Heizungswärmepumpe ist. Diese Rückmeldungen zeigen aber auch, dass die Marktpreise für PVT-Anlagen derzeit noch recht intransparent sind. Für konkrete Angebote müsste man Vor-Ort-Termine mit mehreren Herstellern vereinbaren und konkrete Angebote einholen.
Fazit: Wann lohnt sich eine PVT-Anlage?
PVT ist derzeit vor allem für Eigentümer interessant, die auf der Suche nach einer Wärmepumpe sind, die besonders leise arbeiten oder eine begrenzte Dachfläche doppelt genutzt werden soll.
Aus energetischer Sicht ist das Konzept überzeugend – Strom und Wärme von derselben Fläche sind technisch möglich und klimatisch sinnvoll. Allerdings ist das System komplexer und damit möglicherweise etwas anfälliger für Planungs- und Ausführungsfehler. Die fehlende Normierung erschwert zudem die Auswahl geeigneter Hersteller und Produkte. Wer PVT heute installieren möchte, braucht einen der wenigen erfahrenen Fachbetriebe – und Vertrauen in dessen Kompetenz. Einige Hersteller arbeiten daher sehr eng mit ausgewählten Fachbetrieben zusammen.
Ein klarer Zusatznutzen ist die Tatsache, dass man keine Außeneinheit wie bei der Luft-Wasser-Wärmepumpe braucht. Das birgt zwei Vorteile: Zum einen braucht man ohne Außeneinheit auch keinen Aufstellort. Der Wärmetauscher befindet sich platzsparend auf der dachfläche. Zum anderen ist PVT im Außenbereich absolut geräuschlos. Daher ist die PVT-Technik insbesondere bei beengten Platzverhältnissen, wie sie z.B. in Reihenhaussiedlungen oder auch in Mehrfamilienhausquartieren vorkommen, eine gute Option.

Wer aber Platz hat und für den die Geräuschemissionen einer Außeneinheit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe unproblematisch sind, ergeben sich durch eine PVT-Anlage keine zwingenden Vorteile gegenüber einer deutlich weiter verbreiteten Luft-Wasser-Wärmepumpe. Dafür ist der Energieeffizienz Vorteil gegenüber den herkömmlichen Außenluft Wärmetauschern zu gering.
Ob die PVT-Technologie aus dieser Nische herauskommt, hängt davon ab, wie stark sich die Systemkosten senken lassen und ob die Förderkulisse stabil bleibt.
Mein Rat: Wer PVT in Betracht zieht, sollte die technische Entwicklung aufmerksam verfolgen. Am besten holt man für beide Varianten mehrere konkrete Angebote ein, um sich eine auf das eigene Haus zugeschnittene objektive Entscheidungsgrundlage zu beschaffen.
Beitragsbild:
- Montage von PVT-Modulen auf einem Flachdach (Bild: EVO Deutschland)


















